
Metallhandel
Teil von Metallhalbzeuge vergleichen: Stahl oder Aluminium für den Maschinenbau
Wie funktioniert die Kalkulation von Metallhalbzeugen im Großhandel?
Kalkulation Metallhalbzeuge: So entsteht der Großhandelspreis aus LME-Notierung, Stahl-Index, Legierungszuschlägen, Fracht, Lagerkosten und MwSt. mit Beispiel.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Grundpreis folgt bei Buntmetallen der Notierung an der London Metal Exchange, bei Stahl dem Stahl-Index Deutschland.
- Werkstoff- und Legierungszuschläge decken teure Bestandteile ab, bei Edelstahl 1.4301 sind im Beispiel 15 Prozent anzusetzen.
- Fracht, Verpackung, Lagerung und Zuschnitt laufen als Kosten je Tonne in die Rechnung ein.
- Auf den Nettowarenwert kommt die Umsatzsteuer, in Deutschland 19 Prozent.
Vom Börsenpreis zum Grundpreis
Der Ausgangspunkt jeder Kalkulation ist ein Referenzpreis für das reine Metall. Bei Kupfer, Aluminium, Zink, Blei und Nickel liefert die London Metal Exchange (LME) diese Referenz. Die LME stellt täglich offizielle Kassapreise in US-Dollar je Tonne fest. Der Händler rechnet den Wert mit dem aktuellen Devisenkurs in Euro um und legt einen Kursaufschlag für das Wechselkursrisiko auf.
Für Stahlhalbzeuge wie Bleche, Rohre, Stäbe oder Träger existiert keine vergleichbare Börse. Die Branche nutzt den Stahl-Index Deutschland, den die Bundesvereinigung Deutscher Stahlhandel (BDS) wöchentlich aus Meldungen ihrer Mitglieder erhebt. Der Index bildet die Großhandelsspanne für Standardprodukte ab.
Zur Einordnung der allgemeinen Kostentwicklung lassen sich die Produktions- und Umsatzdaten des Verarbeitenden Gewerbes heranziehen, die das Statistische Bundesamt für Industrie und Verarbeitendes Gewerbe veröffentlicht.
Aufschläge: Legierung, Form, Menge und Prüfung
Auf den Grundpreis folgen Zuschläge, die den konkreten Auftrag abbilden. Den größten Block bilden Werkstoffzuschläge für legierte Sorten. Edelstahl 1.4301 enthält rund 18 Prozent Chrom und 8 Prozent Nickel. Steigen die Notierungen für diese Bestandteile, erhöht der Hersteller den Legierungszuschlag.
Im Rechenbeispiel dieses Artikels sind dafür 15 Prozent angesetzt. Wer Edelstahl bezieht, kann die Lieferkette und die Werkstoffpalette bei Herstellern wie Outokumpu mit seinem Edelstahlprogramm einordnen.
Daneben stehen Form- und Bearbeitungszuschläge für Zuschnitt, Entgraten, Toleranzen oder Sonderlängen. Mengenzuschläge greifen bei Abnahmen unterhalb einer vollen Tonne oder eines vollen Coils. Prüfzeugnisse nach EN 10204 in der Ausführung 3.1, die eine Werksbescheinigung mit eigenen Prüfergebnissen belegen, kosten ebenfalls Aufschlag.
Politische Rahmenbedingungen wie Zollregeln, Antidumpingmaßnahmen und Versorgungsrisiken wirken zusätzlich auf diese Sätze, was das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in seinem Dossier zur Rohstoffpolitik beschreibt.
Beispielrechnung für eine Tonne Edelstahl 1.4301
Angenommen werden ein Grundpreis von 2.800 Euro je Tonne, ein Werkstoffzuschlag von 15 Prozent, 60 Euro je Tonne für Zuschnitt, 45 Euro je Tonne Fracht innerhalb Deutschlands, 12 Euro je Tonne Lagerkosten und eine Handelsspanne von 8 Prozent.
Kalkulation je Tonne Edelstahl
- Grundpreis2800 Euro
- Werkstoffzuschlag420 Euro
- Zuschnitt60 Euro
- Fracht45 Euro
- Lagerkosten12 Euro
- Handelsspanne266,96 Euro
- Umsatzsteuer684,75 Euro
Beispielrechnung Edelstahl 1.4301
| Position | Rechnung | Betrag je Tonne |
|---|---|---|
| Grundpreis | 2.800,00 Euro | |
| Werkstoffzuschlag | 2.800,00 x 0,15 | 420,00 Euro |
| Zuschnitt | 60,00 Euro | |
| Fracht | 45,00 Euro | |
| Lagerkosten | 12,00 Euro | |
| Zwischensumme | 3.337,00 Euro | |
| Handelsspanne | 3.337,00 x 0,08 | 266,96 Euro |
| Nettopreis | 3.603,96 Euro | |
| Umsatzsteuer | 3.603,96 x 0,19 | 684,75 Euro |
| Bruttopreis | 4.288,71 Euro |
Das Beispiel zeigt, wie stark die Nebenkosten den Börsenpreis überlagern. Rund ein Fünftel des Nettopreises stammt hier nicht aus dem Metallwert selbst.
Fracht, Lager und Zahlungsziel
Frachtkosten werden pro Tonne gerechnet und hängen von Entfernung, Ladegewicht und Anlieferungsart ab. Innerdeutsche Lieferungen liegen im Beispiel bei 40 bis 90 Euro je Tonne, bei Teilladungen oder Sonderfahrzeugen deutlich höher. Der Händler kalkuliert die Fracht deshalb nicht nach Listenpreis, sondern nach der konkret geplanten Tour. Bei Stückgut addieren Speditionen Aufschläge für Avisierung, Wartezeit oder Rangieren.
Lagerkosten entstehen durch Kapitalbindung, Hallenfläche, Kran- und Staplerstunden. Sie werden entweder als Aufschlag je Tonne und Monat berechnet oder in die Handelsspanne eingerechnet. Ein Zahlungsziel von 30 oder 60 Tagen verursacht Finanzierungskosten, die ebenfalls in den Preis einfließen. Skonto ist deshalb kein Rabatt, sondern ein Zins für schnelle Zahlung.
Umsatzsteuer als letzter Rechenschritt
Auf den Nettowarenwert kommt die Umsatzsteuer. In Deutschland gilt für Metallhalbzeuge der Regelsteuersatz von 19 Prozent. Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen an Unternehmen mit gültiger Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird die Steuer nicht erhoben, der Empfänger schuldet sie im Reverse-Charge-Verfahren. Bei Ausfuhr in Drittländer entfällt die deutsche Umsatzsteuer, sofern die Ausfuhrnachweise vorliegen. Für die eigene Kalkulation zählt immer der Nettopreis, die Umsatzsteuer ist durchlaufender Posten.
Häufige Fragen
Warum weichen Angebote für dasselbe Halbzeug stark voneinander ab?
Unterschiede entstehen durch Einkaufszeitpunkt, Lagerbestand, Legierungszuschlag, Losgröße und Lieferweg. Ein Händler mit passendem Vorrat kalkuliert günstiger als ein Anbieter, der erst beschaffen muss.
Welche Rolle spielt die LME bei Stahl?
Keine. Die LME handelt Buntmetalle. Für Stahl dient der Stahl-Index Deutschland der BDS als Referenz.
Wie oft werden die Zuschläge angepasst?
Legierungszuschläge ändern Hersteller meist monatlich. Fracht- und Lagersätze werden bei Auftragsannahme neu gerechnet.
Ist Skonto ein Preisnachlass?
Kaufmännisch ist Skonto ein Finanzierungseffekt. Wer ihn zieht, zahlt früher und spart Zinsen.



