Metallbetriebe
Teil von Metallbetriebe Lieferanten: Inland oder Ausland im Vergleich
Wie Metallbetriebe ihre Lieferanten bewerten und auditieren
Lieferantenbewertung in Metallbetrieben: Kriterienkatalog, Audit vor Ort, 100-Punkte-Schema und Maßnahmen bei Abweichungen nach DIN EN ISO 9001 und VDA 6.3.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Kriterienkatalog trennt Muss-Kriterien wie Maßhaltigkeit, Liefertreue und Preis von Zusatzkriterien wie Arbeitsschutz und technischer Beratung.
- Das Audit vor Ort prüft Fertigung, Prüfmittel und Dokumentation, nicht nur das gelieferte Produkt.
- Ein gewichtetes 100-Punkte-Schema macht Lieferanten über Produktgruppen hinweg vergleichbar.
- Abweichungen brauchen Frist, Verantwortlichen und eine feste Eskalationsstufe bis zur Sperrung.
- DIN EN ISO 9001 regelt Anforderungen an das Managementsystem, VDA 6.3 liefert den Fragenkatalog für Prozessaudits.
Kriterienkatalog für Qualität, Preis und Lieferzeit
Am Anfang steht die Frage, was der Lieferant leisten muss. Ein Zerspanungsbetrieb bewertet andere Merkmale als ein Blechbearbeiter, der Coils und Zuschnitte einkauft. Deshalb trennen viele Betriebe Muss-Kriterien von Zusatzkriterien.
Muss-Kriterien sind Maßhaltigkeit, Werkstoffzeugnisse nach DIN EN 10204 in Ausführung 3.1, Liefertreue, Reklamationsquote und Preisstellung. Zusatzkriterien sind Reaktionszeit bei Störungen, Ersatzteilversorgung, Organisation des Arbeitsschutzes, Umweltzertifikate und technische Beratung.
Jedes Kriterium braucht Skala und Definition. Die Aussage "gute Qualität" lässt sich nicht messen, eine Reklamationsquote von 1,5 Prozent je 1.000 gelieferten Teilen schon. Wie Normen Anforderungen und Prüfmerkmale festlegen, beschreibt die Seite Alles über DIN-Normen.
Bei Werkstoffzeugnissen zählt die Prüfkette vom Stahlwerk bis zum Zuschnitt. Jede Charge muss rückverfolgbar bleiben, sonst nützt das beste Zeugnis nichts.
Audit vor Ort in fünf Schritten
- Auditprogramm festlegen: Produktgruppe, Umfang, Normgrundlage, Termin und Auditteam bestimmen.
- Fragenkatalog erstellen und dem Lieferanten vier bis sechs Wochen vorher zusenden.
- Vor Ort prüfen: Wareneingang, Fertigung, Prüfmittelverwaltung, Lager, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit.
- Abweichungen bewerten und am Abschlusstag mit der Geschäftsführung des Lieferanten besprechen.
- Auditbericht, Maßnahmenplan mit Fristen und Termin für den Wirksamkeitsnachweis erstellen.
Drei Auditarten stehen zur Wahl. Das Systemaudit prüft das Managementsystem, das Prozessaudit nach VDA 6.3 die Abläufe, das Produktaudit die Ware selbst. Für neue Lieferanten passt das Prozessaudit, bei stabiler Qualität genügt oft das Produktaudit.
Arbeitsschutz gehört in jedes Lieferantenaudit. Prüfen Sie, ob der Lieferant eine Gefährdungsbeurteilung führt und ob die Schutzmaßnahmen an der Maschine ankommen; die Pflichten zur Gefährdungsbeurteilung nennt die DGUV.
Bewertungsschema mit 100 Punkten
Vergeben Sie je Kriterium eine Punktzahl. Die Maximalpunkte wirken als Gewichtung.
Show the numbers
| Qualität und Maßhaltigkeit | 40 |
|---|---|
| Liefertreue und Termin | 25 |
| Preis und Konditionen | 20 |
| Kommunikation und Service | 10 |
| Arbeitsschutz und Umwelt | 5 |
Die Einstufung: 90 bis 100 Punkte ergeben einen A-Lieferanten, 75 bis 89 einen B-Lieferanten, 60 bis 74 einen C-Lieferanten mit Auflagen, unter 60 einen D-Lieferanten mit Sperre oder Nachaudit.
Wer keinen Aufwand für ein Punkteschema betreiben will, kann Lieferanten allein nach Reklamationsquote und Liefertreue klassifizieren. Das geht schneller, liefert aber keine Begründung für Preisverhandlungen und macht kleine Unterschiede zwischen zwei Anbietern unsichtbar.
Rechenbeispiel
Lieferant A erreicht in der Jahresbewertung 34 von 40 Punkten für Qualität, 19 von 25 für Liefertreue, 16 von 20 für den Preis, 7 von 10 für den Service und 4 von 5 für Arbeitsschutz. Die Summe beträgt 80 Punkte, also Note B. Auffällig ist die Liefertreue mit 76 Prozent Zielerreichung, dort setzt der Maßnahmenplan an.
Maßnahmen bei Abweichungen
Nicht jede Abweichung wiegt gleich. Kritische Abweichungen gefährden die Funktion des Bauteils und stoppen die Lieferung sofort. Schwere Abweichungen erlauben eine Lieferung mit Sonderfreigabe und Nacharbeit. Geringfügige Abweichungen werden mit dem nächsten Audit nachverfolgt.
Legen Sie für jede Abweichung Frist, Verantwortlichen, Nachweis und Prüftermin fest. Bleibt die Korrektur aus, eskaliert der Fall zum Einkaufsleiter, danach folgen Lieferantenentwicklung, Zweitquelle und im letzten Schritt die Sperrung.
Normen und Regelwerke
DIN EN ISO 9001 beschreibt Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem und ist die Grundlage der Zertifizierung. VDA 6.3 liefert den Fragenkatalog für Prozessaudits und bewertet die Abläufe in der Lieferkette getrennt vom Produktaudit.
Im Automobilbau ergänzt IATF 16949 diese Vorgaben. Für Werkstoffe gilt DIN EN 10204 mit den Zeugnisarten 2.2, 3.1 und 3.2. Normen senken den Abstimmungsaufwand zwischen Abnehmer und Lieferant, was die Seite Nutzen der Normung für die Wirtschaft erläutert.
Häufige Fragen
Wer führt das Lieferantenaudit durch?
Idealerweise ein Team aus Qualitätsmanagement und Einkauf. Bei Prozessaudits nach VDA 6.3 sollte mindestens ein geschulter Auditor teilnehmen.
Wie oft sollten Lieferanten bewertet werden?
Die laufende Bewertung erfolgt meist quartalsweise, das Audit vor Ort jährlich. A-Lieferanten können alle zwei Jahre geprüft werden, C-Lieferanten häufiger.
Ersetzt VDA 6.3 die DIN EN ISO 9001?
Nein. Die ISO 9001 zertifiziert das Managementsystem, VDA 6.3 bewertet Prozesse mit Punkten. Beide Verfahren ergänzen sich.
Was passiert bei der Note D?
Der Lieferant wird gesperrt oder erhält ein Nachaudit mit kurzer Frist. Parallel prüft der Einkauf eine Zweitquelle, damit die Fertigung weiterläuft.