Metallbetriebe
Teil von Metallbetriebe Lieferanten: Inland oder Ausland im Vergleich
Lieferkette Metall: Stahl oder Aluminium im Vergleich
Lieferkette Metall im Vergleich: Wie sich Stahl aus China und Aluminium aus Kanada, Russland und der EU bei Lieferzeiten, Zöllen und Frachtkosten unterscheiden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Stahl kommt für deutsche Betriebe vor allem aus China, der EU und der Türkei, Aluminium aus Kanada, Russland, Indien und den Golfstaaten.
- Seefracht aus Asien dauert etwa 40 bis 60 Tage, Ware aus Kanada erreicht europäische Häfen in 15 bis 30 Tagen.
- Auf Stahl liegen höhere Zollrisiken, Aluminium hängt stärker an Sanktionen und Strompreisen.
- Der Einstandspreis entscheidet: Fracht, Zoll und Kapitalbindung verschieben den Tonnenpreis deutlich.
Woher kommen Stahl und Aluminium?
Wo wird der Stahl erzeugt, den ein deutscher Metallbetrieb verarbeitet? China steht seit Jahren für rund die Hälfte der Weltproduktion, Indien, Japan und die EU folgen mit Abstand. Ein wachsender Teil der deutschen Zukäufe kommt aus europäischen Werken, weil kurze Wege Zoll- und Frachtfragen vermeiden.
Bei Aluminium sieht die Landkarte anders aus. Die EU deckt nur einen kleineren Teil ihres Bedarfs selbst, der Rest stammt aus Kanada, Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien. Hütten brauchen sehr viel Strom, deshalb folgt die Produktion dem günstigsten Energiestandort. Wie sich Ein- und Ausfuhren entwickeln, lässt sich in der Eurostat-Datenbank nach Handelswaren aufschlüsseln.
Welche Lieferzeiten und Frachtkosten sind typisch?
Kurze Frage, klare Antwort: Asien ist günstig und langsam, Kanada schnell und teuer, Europa liegt im Mittelfeld. Die folgende Übersicht nennt Beispielwerte, konkrete Raten hängen von Menge, Hafen und Saison ab.
| Route | Typische Lieferzeit | Fracht je Tonne | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Stahl aus China | 40 bis 60 Tage | 60 bis 120 Euro | Antidumpingzoll, Containerengpässe |
| Stahl aus der EU | 5 bis 15 Tage | 20 bis 60 Euro | Energiekosten, Werkskapazität |
| Aluminium aus Kanada | 15 bis 30 Tage | 50 bis 100 Euro | Frachtraten, Hafenstau |
| Aluminium aus Russland | stark eingeschränkt | kaum kalkulierbar | Sanktionen, Reputationsrisiko |
Ein Punkt wird oft übersehen: Lange Transportzeiten binden Kapital. Wer 60 Tage auf Stahl wartet, finanziert Ware vor, die noch nicht im Werk liegt.
Welche Zölle und Regeln greifen?
Die EU schützt ihren Stahlmarkt mit Safeguard-Maßnahmen: Oberhalb einer zollfreien Quote fallen 25 Prozent Zoll an. Zusätzlich gelten Antidumpingzölle auf zahlreiche Stahlerzeugnisse aus China. Die USA belegen Stahl- und Aluminiumimporte mit Section-232-Zöllen, die 2025 auf 50 Prozent angehoben wurden. Für Exporteure in die USA verteuert das die Kalkulation erheblich.
Aluminium trifft es über die Sanktionspolitik. Einfuhren aus Russland sind seit den jüngsten Sanktionspaketen stark eingeschränkt, Käufer weichen auf Kanada, Indien und den Nahen Osten aus. Ab 2026 wird zudem der CO2-Grenzausgleich CBAM scharf: Importeure von Stahl und Aluminium müssen dann Emissionszertifikate erwerben. Einen Überblick über die europäische Industriepolitik geben die Kurzdarstellungen des Europäischen Parlaments.
Beispielrechnung: Einstandspreis je Tonne
Nehmen wir eine Tonne Stahl. Aus China: Warenwert 800 Euro, Fracht 90 Euro, Versicherung 5 Euro, Zoll 25 Prozent auf den Warenwert, also 200 Euro. Der Einstandspreis liegt bei rund 1.095 Euro je Tonne, Lager- und Kapitalkosten nicht gerechnet.
Aus einem EU-Werk: Warenwert 900 Euro, Fracht 40 Euro, kein Einfuhrzoll, weil Binnenmarkt. Einstandspreis rund 940 Euro. Der Import lohnt also nur, wenn der Warenwert deutlich niedriger liegt oder die zollfreie Quote greift. Als Vergleichsmaßstab für die eigene Kalkulation dienen die Produktions- und Umsatzdaten des Verarbeitenden Gewerbes des Statistischen Bundesamts.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Seefracht von China nach Hamburg?
Meist 40 bis 60 Tage Tür zu Tür, abhängig von Hafenstau und Binnentransport. Für eilige Bedarfe ist europäische Ware kalkulierbarer.
Ist russisches Aluminium noch lieferbar?
Nur eingeschränkt. Die EU-Sanktionen haben die Einfuhren stark begrenzt, viele Abnehmer sind auf Kanada, Indien oder die Emirate umgestiegen.
Wann greift CBAM beim Stahl- und Aluminiumkauf?
Seit Oktober 2023 läuft die Übergangsphase mit Berichtspflichten, ab 2026 werden Zertifikate fällig. Lieferantenangaben zu Emissionen sollten früh gesichert werden.
Wie kalkuliere ich den Zoll?
Auf den Zollwert aus Warenwert plus Fracht und Versicherung. Bei einem Safeguard-Zoll von 25 Prozent auf 20.000 Euro Warenwert sind das 5.000 Euro.