Blechbearbeitung

Teil von Blechbearbeitung Verfahren für Schneiden Stanzen und Umformen

Checkliste für die Vorbereitung von Blechzuschnitten

Checkliste für die Vorbereitung von Blechzuschnitten: Materialprüfung nach DIN EN 10204, Reinigung, Entgraten, Kennzeichnung und Lagerung im Überblick.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Prüfstufen vor dem Zuschnitt: Materialzeugnisse, Sauberkeit, Kantenqualität, Kennzeichnung.
  • Die Zeugnisart nach DIN EN 10204 muss zum Bestellumfang und zum Bauteilrisiko passen.
  • Entgraten ist Sicherheitsarbeit, weil Schnittkanten wie Schneiden wirken.
  • Kennzeichnung und werkstoffgetrennte, trockene Lagerung verhindern Verwechslung und Ausschuss.
  • Gefährdungsbeurteilung und Betriebssicherheitsverordnung legen Werkzeuge, PSA und Prüffristen fest.

Warum sich die Kontrolle am Wareneingang rechnet

Ein Zuschnitt mit falscher Kennzeichnung oder falschem Werkstoff fällt beim Kanten kaum auf. Der Fehler zeigt sich erst nach dem Schweißen oder Beschichten, wenn das Bauteil korrodiert. Die Ursache liegt dann mehrere Prozessschritte zurück und lässt sich nur noch schwer eingrenzen. Wer Zeugnisse und Kennzeichnung am Wareneingang abgleicht, verfolgt jede Charge bis zum Lieferanten zurück.

Die Checkliste in fünf Schritten

  1. Zeugnisse mit Lieferschein und Bund abgleichen: Werkstoffnummer, Schmelze, Charge, Abmessungen, Zeugnisart.
  2. Sichtprüfung: Dicke messen, auf Verzug, Zunder, Rost, Kratzer und wellige Kanten achten.
  3. Reinigen: Öl, Fett und Korrosionsschutzmittel werkstoffgerecht entfernen.
  4. Entgraten: Schnittkanten, Bohrungen und Innenkonturen bearbeiten, Kantenbruch einhalten.
  5. Kennzeichnen und lagern: Werkstoff, Charge und Walzrichtung aufbringen, trocken und getrennt ablegen.

Materialprüfung nach DIN EN 10204

Das Werkszeugnis 2.2 gibt ungeprüfte Werte aus der laufenden Produktion weiter. Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 belegt geprüfte Werte aus der Charge, das Zeugnis 3.2 zusätzlich die Bestätigung einer unabhängigen Stelle. Für tragende Bauteile ist die höhere Zeugnisart üblich, weil sie die Rückverfolgbarkeit sichert. Die Übersicht des DIN zu Normen und Standards ordnet die Zeugnisarten ein.

Bei Edelstahl prüfen Betriebe den Legierungsnachweis mit einem Handspektrometer, weil eine Verwechslung von 1.4301 und 1.4404 sonst erst durch Korrosion auffällt.

Reinigen, Entfetten und Trocknen

Haftende Öle und Fette stören Schweißnähte, Klebungen und Beschichtungen. Alkalische Reiniger lösen Betriebsöle, Isopropanol eignet sich für kleine Flächen und für Edelstahl. Nach dem Entfetten dürfen die Flächen nicht mehr mit bloßen Händen berührt werden, weil Hautfett neue Haftungsfehler erzeugt. Baumwollhandschuhe und zügige Trocknung verhindern Flashrust auf niedrig legierten Stählen.

Entgraten mit Handwerkzeug und Entgratsenker

Grate entstehen an Scherschnitten, an Laser- und Plasmaschnitten sowie an Bohrungen. Handentgrater von Noga, etwa aus der NogaGrip-Reihe mit Klingen aus HSS oder Karbid, ziehen den Grat an geraden und gebogenen Kanten ab. Für Bohrungen eignen sich Entgratsenker mit Führungszapfen, für lange Kanten Bandentgrater oder Schaber. Handentgrater und Senker sind Arbeitsmittel, die nach der Betriebssicherheitsverordnung vor der ersten Verwendung und nach einer Instandsetzung zu prüfen sind. Üblich ist ein Kantenbruch zwischen 0,1 und 0,2 Millimetern, sofern die Zeichnung nichts anderes vorgibt.

Arbeitsschutz an der Vorbereitungsstation

Die DGUV erläutert die Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Handwerkzeugen, Blech und Zerspanung. Daraus leiten sich Schnittschutzhandschuhe nach EN 388, Schutzbrille und eine Absaugung an Schleifarbeiten ab. Wer die Beurteilung einmal sauber aufsetzt, kann sie für ähnliche Arbeitsplätze fortschreiben.

Kennzeichnung und Lagerung

Kennzeichnung muss abriebfest sein. Bewährt sind wasserfeste Stifte, Etiketten und Farbcodes je Werkstoffgruppe. Auf dem Zuschnitt stehen Werkstoffnummer, Charge, Abmessung und Walzrichtung, damit die Biegeachse später stimmt. Schlagstempel nur außerhalb des Bauteilbereichs setzen.

Gelagert wird trocken, stehend an Kanthölzern und getrennt nach Werkstoff. Aluminium und Stahl dürfen sich nicht berühren, weil Feuchtigkeit als Elektrolyt wirkt und Kontaktkorrosion schon im Regal beginnt. Edelstahl nie mit Stahlbürsten bearbeiten, weil eingetragener Fremdrost spätere Korrosion auslöst.

Häufige Fragen

Welche Zeugnisart nach DIN EN 10204 reicht für Standardbauteile?

Für einfache Bauteile genügt oft das Werkszeugnis 2.2. Verlangt der Kunde geprüfte Kennwerte oder wirkt das Bauteil tragend, ist das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 die passende Wahl.

Wie oft müssen Handentgrater und Entgratsenker geprüft werden?

Die Fristen legt der Betrieb in der Gefährdungsbeurteilung fest. Karbidklingen splittern bei falscher Führung, deshalb gehören Sichtprüfung und Klingenwechsel in den Schichtablauf.

Warum dürfen Aluminium und Stahl nicht zusammen gelagert werden?

Bei direktem Kontakt und Feuchtigkeit korrodiert das unedlere Metall zuerst. Stahl oder Edelstahl in der Nachbarschaft beschleunigen den Angriff.

Reicht Abblasen mit Druckluft statt Entfetten?

Nein. Druckluft entfernt Späne und Staub, löst aber keine Fettrückstände. Vor dem Schweißen und Beschichten bleibt eine Entfettung nötig.

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