Blechbearbeitung

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Blechbiegen nach DIN 6935: Mindestbiegeradien und Toleranzen

Blechbiegen nach DIN 6935: Mindestbiegeradien für S235JR und weitere Werkstoffe, Toleranzen sowie eine Beispielrechnung für Biegekosten in Euro.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • DIN 6935 behandelt das Kaltbiegen von Flacherzeugnissen aus Stahl und liefert Mindestbiegeradien, Ausgleichswerte für die Abwicklung und Toleranzen.
  • Für S235JR gilt als kleinster Innenradius das 0,5-Fache der Blechdicke, höherfeste und nichtrostende Stähle brauchen mehr.
  • Biegerichtung und Kantenqualität verschieben diese Grenze nach oben.
  • Biegekosten entstehen aus Rüstzeit und Taktzeit, im Beispiel sind es 2,29 Euro netto je Teil.

Was die Norm festlegt

DIN 6935 beschreibt das Kaltbiegen von Flacherzeugnissen aus Stahl. Sie beantwortet drei Fragen der Arbeitsvorbereitung: Welcher Innenradius ist ohne Rissbildung möglich, wie lang ist das gestreckte Teil vor dem Biegen, und welche Abweichungen sind am fertigen Biegeteil zulässig.

Der Mindestbiegeradius bezieht sich immer auf die Biegeinnenseite und wird als Faktor zur Blechdicke angegeben. Die Norm staffelt diese Faktoren nach Werkstoffgruppe und Bruchdehnung. Aluminium oder Kupfer bleiben außerhalb des Geltungsbereichs und brauchen eigene Werkstoffregeln.

Verbindlich wird die Norm erst durch den Zeichnungssatz oder den Kaufvertrag, denn DIN-Normen sind zunächst freiwillige Vereinbarungen, die Fachausschüsse erarbeiten. Steht DIN 6935 im Zeichnungskopf, gilt sie für den gesamten Auftrag.

Mindestbiegeradien nach Werkstoff

Die Übersicht nennt Richtwerte für die Vorauslegung. Verbindlich bleiben die Tabellenwerte der Norm und die Angaben des Lieferwerks.

Werkstoff Kleinster Innenradius Hinweis
S235JR, früher St 37 0,5 x Blechdicke Standardfall im allgemeinen Bau
S355JR, früher St 52 etwa 1,0 x Blechdicke höhere Streckgrenze, mehr Rückfederung
Nichtrostender Stahl 1.4301 1,0 bis 1,5 x Blechdicke kaltverfestigt stark
Aluminium EN AW-5754 1,0 bis 1,5 x Blechdicke nicht Teil der DIN 6935

Zwei Regeln verschieben diese Werte schnell. Wird die Biegelinie parallel zur Walzrichtung geführt, sind größere Radien nötig als quer dazu. Geschnittene Kanten mit Grat oder Mikrorissen wirken als Kerbe.

Bei 2 mm Blechdicke und S235JR ergibt sich ein kleinster Innenradius von 1,0 mm. Wer diesen Wert unterschreitet, riskiert Risse an der Außenfaser.

Toleranzen nach DIN 6935

Die Norm begrenzt Abweichungen des Biegewinkels in Grad und der Schenkellängen in Millimetern. Die zulässige Abweichung hängt von der Schenkellänge ab: Je länger der Schenkel, desto größer darf die Abweichung am freien Ende sein. Zusätzlich werden Verwindungen und Ebenheitsabweichungen begrenzt, die beim Biegen langer Teile entstehen.

Diese Werte sind Mindestanforderungen, nicht Bestwerte. Wer engere Toleranzen braucht, muss sie gesondert vereinbaren, weil Werkzeug und Rückfederung die erreichbare Genauigkeit bestimmen. S235JR federt weniger zurück als S355JR oder Edelstahl.

Werkzeuge, Maschinen und Kosten

Beim Luftbiegen entsteht der Innenradius aus der Öffnungsweite der Matrize und dem Werkstoff, beim Prägen bestimmt der Stempelradius das Ergebnis. Als Startwert für das Luftbiegen hat sich eine Matrizenöffnung vom etwa Achtfachen der Blechdicke eingebürgert.

Maschinen und Werkzeuge kommen unter anderem von Trumpf und Amada. TRUMPF führt Abkantpressen samt Biegewerkzeugen für das Umformen von Blech, Bystronic deckt Biegen und Zuschnitt ab und nennt Kostenparameter für Blechzuschnitte.

Beispielrechnung: vier Biegungen an 200 Teilen

  1. Maschinenstundensatz der Abkantpresse: 72 Euro netto je Stunde.
  2. Taktzeit: vier Biegungen mit je 25 Sekunden, also 100 Sekunden oder 0,028 Stunden je Teil, das ergibt 2,00 Euro.
  3. Rüstzeit: 40 Minuten entsprechen 0,67 Stunden und damit 48 Euro für das Los. Bei 200 Teilen sind das 0,24 Euro je Teil.
  4. Werkzeugverschleiß und Verbrauchsmaterial: 0,05 Euro je Teil.
  5. Summe: 2,29 Euro netto je Teil, für das Los 458 Euro netto oder 545,02 Euro mit 19 Prozent Umsatzsteuer.

Das ist eine Beispielrechnung ohne Material- und Zuschnittkosten. Bei 1.000 Teilen sinkt der Rüstanteil auf 0,05 Euro, die Biegekosten fallen auf 2,10 Euro netto je Teil.

Häufige Fragen

Gilt DIN 6935 auch für Aluminium und Edelstahl?

DIN 6935 gilt für Stahl. Edelstahl ist Stahl, verfestigt sich beim Biegen aber stark, deshalb sind die Werte des Lieferwerks maßgeblich. Aluminium fällt nicht unter die Norm.

Wie wird der Mindestbiegeradius angegeben?

Als Innenradius an der Biegeinnenseite, meist als Vielfaches der Blechdicke. Zwei Millimeter S235JR ergeben also einen kleinsten Radius von einem Millimeter.

Was passiert bei einem zu kleinen Biegeradius?

Die Außenfaser reißt, das Teil wird zum Ausschuss. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen ist Nacharbeit selten zulässig.

Wie lassen sich die Biegekosten senken?

Über die Losgröße, weil die Rüstzeit auf mehr Teile verteilt wird. Weitere Hebel sind eine Matrize mit passender Öffnungsweite und weniger Biegungen durch konstruktive Vereinfachung.

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