Vergleich der Metallverarbeitung in Essen und Dortmund mit IHK-Daten
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Metallbetriebe

Metallverarbeitung in Essen und Dortmund, ein Vergleich der Standorte

Metallverarbeitung NRW im Standortvergleich: IHK-Daten, namentliche Unternehmensbeispiele und die Stärken von Essen und Dortmund für Investoren und Standortplaner.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Metallverarbeitung NRW hat zwei Zentren mit unterschiedlicher Funktion: Essen steht für Metallhandel, Zerspanung und Anlagenbau, Dortmund für Serienfertigung, Komponenten und Oberflächentechnik.
  • Die IHK zu Essen betreut Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, die IHK zu Dortmund betreut Dortmund und den Kreis Unna.
  • In Essen sind unter anderem die thyssenkrupp AG, thyssenkrupp Materials Services, thyssenkrupp Electrical Steel, Trimet Aluminium und Ferrostaal ansässig.
  • In Dortmund arbeiten unter anderem der Standort Westfalenhütte von thyssenkrupp Steel Europe, Wilo, KHS und ABP Induction Systems.
  • Beide Städte liegen an Wasserstraßen und Autobahnen, Essen am Rhein-Herne-Kanal, Dortmund an Dortmund-Ems-Kanal und Hafen.

Metallverarbeitung in Essen und Dortmund: Ein Standortvergleich

Essen ist das historische Zentrum der Stahlindustrie und Sitz der thyssenkrupp AG. Dortmund ist traditioneller Montanstandort: Die Westfalenhütte ging aus der Hoesch AG hervor und gehört heute zu thyssenkrupp Steel Europe. Beide Städte haben also eine Stahlvergangenheit, spielen heute aber unterschiedliche Rollen.

Vergleichstabelle Essen und Dortmund mit IHK-Bezirk, Schwerpunkt, Stahlanker, Wasserstraße, Autobahnen, Flächen (Metallverarbeitung in Essen und Dortmund, ein Vergleich der Standorte)
Die Tabelle stellt die öffentlich belegbaren Merkmale der beiden Metallstandorte direkt gegenüber. Image: Metallverstand

Essen steuert Konzern, Handel und Zerspanung. Dortmund veredelt und fertigt in Serie, mit einem dichten Ring von Zulieferern für Maschinenbau und Automobilindustrie. Wer in eine der beiden Städte investiert, wählt damit auch eine Funktion im Wertschöpfungsnetz.

Die folgende Tabelle stellt Merkmale gegenüber, die öffentlich belegbar sind.

Kriterium Essen Dortmund
IHK-Bezirk Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen Dortmund und Kreis Unna
Schwerpunkt Metall Metallhandel, Zerspanung, Anlagenbau Serienfertigung, Komponenten, Oberflächentechnik
Stahlanker thyssenkrupp AG, Konzernsitz thyssenkrupp Steel Europe, Standort Westfalenhütte
Wasserstraße Rhein-Herne-Kanal Dortmund-Ems-Kanal, Hafen Dortmund
Autobahnen A40, A42, A52 A1, A2, A44, A45, A40
Industrieflächen knapp, überwiegend belegt Brachflächen wie Phoenix-West und Westfalenhütte
Bekannte Industriedenkmäler Zeche Zollverein Hoesch-Museum, Westfalenhütte

Was den Vergleich schwierig macht

Essen und Dortmund sind kreisfreie Städte, doch die IHK-Bezirke decken unterschiedliche Gebiete ab. Wer die Daten der IHK zu Essen und der IHK zu Dortmund nebeneinanderlegt, vergleicht Bezirke und nicht Städte. In den Essener Bezirk fallen zusätzlich Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, in den Dortmunder Bezirk der Kreis Unna mit Lünen, Kamen und Schwerte.

Für den Branchenhintergrund gibt es einen Überblick im Wikipedia-Artikel zur Metallindustrie. Für eine Standortentscheidung reicht er nicht, weil er keine kommunalen Kennzahlen liefert.

Wirtschaftliche Bedeutung der Metallverarbeitung in beiden Städten

In beiden Städten gehört das Verarbeitende Gewerbe zu den größten Arbeitgebern. Das Statistische Bundesamt zum Verarbeitenden Gewerbe veröffentlicht dazu Betriebszahlen, Beschäftigte und Umsätze, gegliedert nach Wirtschaftszweigen. Metallerzeugung, Metallerzeugnisse und Maschinenbau werden getrennt ausgewiesen, was den Vergleich beider Städte erst möglich macht.

Ergänzend liefern die Industriestatistiken des Statistikportals Daten zur Metallverarbeitung nach Bundesländern. Für Nordrhein-Westfalen zeigt sich dort ein Schwerpunkt bei Metallerzeugnissen und Maschinenbau, nicht mehr bei der Roheisen- und Stahlerzeugung allein.

Für den Metallhandel sind die Handelsstatistiken des Statistikportals die passende Quelle. Sie bilden Großhandelsumsätze ab, zu denen auch der Handel mit Metallen und Metallhalbzeugen zählt, ein Segment, das in Essen besonders stark ist.

Die Rolle von Verbänden und Normen

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl vertritt die Stahlindustrie, der VDMA den Maschinen- und Anlagenbau. Normen setzt das DIN, Materialprüfungen übernimmt unter anderem die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Für Betriebe folgt daraus, dass sie Werkstoffe und Verfahren dokumentieren müssen.

Der Arbeitsschutz läuft über die Berufsgenossenschaft Holz und Metall, Genehmigungsfragen über das Umweltbundesamt, Förderprogramme über das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Für Oberflächenbetriebe sind Emissions- und Abfallauflagen der kritische Punkt bei jeder Ansiedlung.

IHK-Daten: Stärken von Essen

Die IHK zu Essen erhebt in ihrem Konjunkturbericht regelmäßig Geschäftslage und Erwartungen ihrer Mitgliedsbetriebe und weist den industriellen Kern nach Branchen aus. Hinzu kommen Ausbildungs- und Gründungszahlen für den Bezirk Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen.

Auf dieser Basis zeigt Essen drei Stärken:

  • Metallhandel: Mit thyssenkrupp Materials Services sitzt einer der größten Werkstoffhändler der Welt in der Stadt.
  • Zerspanung und Lohnfertigung: Betriebe arbeiten für den Anlagenbau und die Instandhaltung im Umfeld der thyssenkrupp AG.
  • Gießen und Halbzeuge: Trimet Aluminium betreibt in Essen ein Werk für Aluminiumguss und Halbzeuge, thyssenkrupp Electrical Steel hat hier seinen Sitz.

Historisch gewachsen ist ein dichtes Netz aus Zulieferern, Lohnfertigern und Instandhaltern rund um den Konzernsitz. Kurze Wege zum Vormaterial sind der eigentliche Standortvorteil, weil Halbzeuge schwer und transportkostenintensiv sind.

Wo Essen an Grenzen stößt

Zusammenhängende Industrieflächen sind in Essen knapp, weil das Stadtgebiet dicht bebaut ist. Erweiterungsreserven fehlen meist, und die Preise für Gewerbeflächen liegen über dem Niveau des östlichen Ruhrgebiets. Wer große Lagerhallen oder eine zweite Produktionslinie plant, findet dafür selten Platz.

IHK-Daten: Stärken von Dortmund

Die IHK zu Dortmund erhebt dieselben Größen für Dortmund und den Kreis Unna. Ihr Bezirk umfasst damit neben der Stadt auch Standorte wie Lünen und Schwerte, die für Zulieferer und Logistik eine Rolle spielen.

Das Dortmunder Profil unterscheidet sich in drei Punkten:

  • Serienfertigung: Wilo fertigt in Dortmund Pumpen, KHS Group baut hier Abfüll- und Verpackungsanlagen.
  • Gießereitechnik: ABP Induction Systems liefert Induktionsanlagen für Schmelzbetriebe und Gießereien.
  • Oberflächentechnik: Im Dortmunder OberflächenCentrum werden Beschichtungen und Werkstoffoberflächen untersucht.

Dortmund hat weniger Abhängigkeit von einem einzelnen Großkunden als Essen. Das verteilt das Risiko, macht die Auftragslage aber volatiler, weil viele kleine Kunden ihre Bestellungen kurzfristig anpassen.

Fläche, Logistik, Arbeitskräfte

Brachflächen wie Phoenix-West und Teile der Westfalenhütte bieten Flächen, die Essen in dieser Größe nicht mehr hat. Der Dortmunder Hafen und die Autobahnen A1, A2, A44 und A45 erschließen Lieferwege nach Osten und Süden.

Beim Personal ist die Lage in beiden Städten ähnlich: In Essen konkurrieren Zulieferer mit der thyssenkrupp AG um Zerspaner und Industriemechaniker, in Dortmund mit Wilo und KHS. Ausgebildet wird in beiden Städten an den Berufskollegs, was die Verfügbarkeit qualifizierter Bewerber eher verbessert.

Ein Standortfaktor, der oft übersehen wird, ist das Stromnetz: Verteilnetzbetreiber für beide Städte ist die Westnetz GmbH mit Sitz in Essen. Wer Schmelz- oder Wärmebehandlungsanlagen plant, muss die verfügbare Anschlussleistung im jeweiligen Gewerbegebiet vorab prüfen.

Unternehmensbeispiele aus beiden Städten

Die folgenden Unternehmen sind öffentlich bekannt und haben Sitz oder Werk in der jeweiligen Stadt. Die Tabelle ordnet sie nach Funktion, nicht nach Größe.

Tabelle mit Essener und Dortmunder Metallunternehmen nach Aktivität (Metallverarbeitung in Essen und Dortmund, ein Vergleich der Standorte)
Die Tabelle ordnet die genannten Unternehmen nach ihrer Funktion im Wertschöpfungsnetz. Image: Metallverstand
Stadt Unternehmen Aktivität
Essen thyssenkrupp Materials Services Werkstoffhandel, Lagerung, Zuschnitt
Essen thyssenkrupp Electrical Steel Elektroband für Motoren und Generatoren
Essen Trimet Aluminium, Werk Essen Aluminiumguss und Halbzeuge
Essen Ferrostaal Anlagenbau und industrielle Dienstleistungen
Dortmund thyssenkrupp Steel Europe, Standort Dortmund Verarbeitung und Veredelung von Stahl
Dortmund Wilo SE Pumpen und Systeme, Metallkomponenten
Dortmund KHS Group Abfüll- und Verpackungsanlagen
Dortmund ABP Induction Systems Induktionsanlagen für Schmelzbetriebe

Ein Praxisbeispiel: Ein Anlagenbauer sucht einen Lohnfertiger für Gehäuseteile aus Edelstahl. In Essen findet er Betriebe mit kurzer Distanz zum Stahlhandel und zum Konzernkunden, aber kaum Erweiterungsfläche. In Dortmund findet er größere Losgrößen und mehr Kapazität, dafür längere Wege zum Vormaterial.

Entschieden wird über die Losgröße. Bei kleiner Stückzahl und hoher Variantenvielfalt spricht der entfallende Transportweg für Essen. Bei stabiler Großserie spricht die Fläche und die Zuliefererdichte für Dortmund. Die IHK-Zahlen beider Bezirke liefern dafür die Branchen- und Beschäftigtenentwicklung als Prüfgröße.

Wie sich die Entscheidung strukturieren lässt

  1. Fertigungsumfang festlegen: Einzelteil, Kleinserie oder Serie.
  2. Vormaterialweg prüfen: Wer liefert Blech, Stabstahl oder Guss, in welcher Entfernung?
  3. Flächenbedarf schätzen und mit dem Angebot in Phoenix-West oder im Essener Bestand vergleichen.
  4. Anschlussleistung beim Netzbetreiber Westnetz abfragen.
  5. Personalmarkt bewerten: Sind Zerspaner und Schweißer verfügbar?
  6. Genehmigungen klären: Auflagen für Emissionen, Lärm und Abfall.

Welcher Standort für welche Aktivität

Essen passt zu Metallhandel, Zerspanung, Instandhaltung und Anlagenbau für die Stahlbranche. Wer kurze Wege zum Vormaterial und zum Großkunden sucht, ist hier richtig. Das gilt besonders für Betriebe, die Metallhalbzeuge lagern, zuschneiden und weiterliefern.

Dortmund passt zu Komponentenfertigung, Serienbau und Oberflächentechnik. Wer Fläche, Zulieferdichte und Logistik in Richtung Osten und Süden braucht, wird hier fündig, etwa in der Zulieferung für Maschinenbau und Automobilindustrie.

Für Investoren heißt das: Der Vergleich der Metallverarbeitung ist kein Entweder-oder. Mehrere Unternehmen nutzen beide Städte und trennen Handel in Essen von Fertigung in Dortmund. Entscheidend sind Entfernung zum Vormaterial, verfügbare Fläche und Qualifikation der Belegschaft.

Häufige Fragen

Welche IHK-Daten sind für einen Vergleich beider Städte nutzbar? Die Konjunkturberichte und Branchenzahlen der IHK zu Essen und der IHK zu Dortmund. Beide beziehen sich auf ihren Kammerbezirk, Essen mit Mülheim und Oberhausen, Dortmund mit dem Kreis Unna.

Welche Unternehmen sind Beispiele für Metallverarbeitung in Essen? thyssenkrupp Materials Services im Werkstoffhandel, thyssenkrupp Electrical Steel, das Essener Werk von Trimet Aluminium und Ferrostaal im Anlagenbau.

Welche Unternehmen sind Beispiele für Metallverarbeitung in Dortmund? Der Standort Westfalenhütte von thyssenkrupp Steel Europe, der Pumpenhersteller Wilo, die KHS Group für Abfüllanlagen und ABP Induction Systems für Schmelztechnik.

Welche Kennzahlen sollte man vor der Standortwahl erheben? Beschäftigten- und Betriebszahlen des Verarbeitenden Gewerbes, Flächenangebot und Preisniveau für Gewerbe, verfügbare Anschlussleistung sowie die Zahl der Ausbildungsplätze in Metallberufen.

Warum ist der IHK-Bezirk nicht identisch mit der Stadt? Die Kammern schneiden ihre Bezirke historisch zu, nicht nach Stadtgrenzen. Deshalb zählen in Essen auch Mülheim an der Ruhr und Oberhausen zur Datengrundlage, in Dortmund der Kreis Unna.

Welche Normen und Stellen sind für Metallbetriebe verbindlich? Normen des DIN, dazu Arbeitsschutzvorgaben der Berufsgenossenschaft Holz und Metall. Materialprüfungen übernimmt unter anderem die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung.

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